Auch mit einer Nichtmeldung lässt sich noch an primitive Instinkte appellieren, wie es ein Bericht über einen Versuch an der Universität Barcelona zeigt. Die Forscher dort verschafften männlichen Probanden in einem Versuchsaufbau das Gefühl, als virtuelles kleines Mädchen durch eine Cyberwelt zu geistern. Als eine in der Computer-Welt anwesende Frau das Mädchen – und damit indirekt die Probanden – ins Gesicht schlug, zuckten diese zurück. O Wunder.
Das wird uns nun als einschlagender Beweis dafür genannt, “wie leicht Männer sich überzeugen lassen, den Körper eines zehnjährigen Mädchens zu haben”. Wieso? Weil es arttypisch für zehnjährige Mädchen ist, bei Ohrfeigen zurückzuzucken? Und weil das außer zehnjährigen Mädchen sonst niemand tut? Angeblich wurde die Reaktion umso heftiger, je mehr die Probanden sich mit ihrem virtuellen Alter Ego emotional identifizierten. Ach was. Das ist nicht nur plausibel, es ist das einzige zu erwartende Resultat. Aber wäre diese Identifikation, und damit die Reaktion, nicht ebenso ausfallen müssen, wenn die Figur im Computer ein 40-jähriger Mann gewesen wäre? Oder eine 87-jährige Oma? Wenn überhaupt noch etwas überraschend an dieser Simulation ist, dann die Tatsache, dass in Zeiten von Konsolen-Kriegen und Online-Massakern überhaupt noch jemand etwas empfindet, wenn er im virtuellen Raum eins in die Fresse kriegt. Höchstwahrscheinlich waren die Probanden keine Hardcore-Gamer.
Warum ich mich darüber so aufrege? Nun, es gibt offensichtlich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Mädchen-Identität der Versuchsteilnehmer irgendeinen Einfluss auf ihre Reaktionen hatte. Es steht zu erwarten, dass sie als virtuelle Jungen, Hühner oder Zwerge ähnlich reagiert hätten. So scheint die Wahl des Avatars und die überspitzte Präsentation dieser Wahl in der Berichterstattung nichts weiter als ein Vehikel zu sein, um die Begriffe “erwachsener Mann”, “zehnjähriges Mädchen” und “Schlagen” in einen Kontext zu bringen. Ein in diesen Zeiten durchaus fragwürdiges Unterfangen. Fehlt eigentlich nur noch, dass das geschlagene Kind die Schulinform eines katholischen Mädcheninternats trägt.
P. S.: In anderen Publikationen zeigt sich, dass die Versuchsreihe durchaus mehr Situationen beinhaltete und durchaus sinnvolle Ansätze erbrachte, etwa um Männern mehr Empathie mit dem anderen Geschlecht beizubringen, als Selbsttest vor einer geplanten Geschlechtsumwandlung, oder um die eigene Körperwahrnehmung zu trainieren.
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Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Textchef von Men's Health, über Männer-