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Männerspaß: Frauenhass?

Sind Sie eitel? Geradezu selbstverliebt? Gar ein Narzisst? Vorsicht! Das kann schnell zu Aggressionen gegen heterosexuelle Frauen führen. Das legt eine US-Studie nahe, die uns gestern auf den Tisch flatterte.

Die Untersuchung der Kent State University offenbarte, dass sich Feindseligkeit  narzisstisch veranlagter Männer in erster Linie gegen Hetero-Frauen richtet, also deutlich mehr als gegen hetero- oder homosexuelle Männer oder auch gegen lesbische Frauen. Letztere fanden die Narzissten sogar ganz nett. Schwule Männer hingegen waren ihnen mehr oder weniger gleichgültig.

Überrascht uns das?

Also, das mit den Lesben nur bedingt – es wäre zu klären, welche Vorstellungen von “Lesbisch-Sein” hier bei den Probanden vorherrschten. Finden sich in den Köpfen die Bilder von Gleitmittel schlürfenden Sappho-Girls, wie sie riegenweise durchs Internet geistern, ist es schon nachvollziehbar, dass die Männer diesen gegenüber eine “positive Haltung” einnehmen. Ob nun narzisstisch oder nicht. Nein, ernsthaft: Dieses Ergebnis ist sicherlich mit der Haupterkenntnis eng verbunden, dass heterosexuelle Narzissten vor allem heterosexuelle Frauen anfeinden.

Dass sich “feindselige Gefühle bei narzisstisch veranlagten Männern in den meisten Fällen gegen heterosexuelle Frauen richten” ist küchenpsychologisch rasch erklärt: Hassen, was man(n) liebt. Ein uraltes Dilemma, meist darin begründet, dass der Liebende nicht bekommt, was er begehrt –  im Allgemeinen und/oder im Speziellen – nichtsdestotrotz aber die Macht spürt, die die unerfüllte Liebe oder Begierde über ihn hat. Das kann so einen ausgewachsenen Narzi schon fuchsen. Da kriegt er einen Hals auf seine vergeblich Angebetete – und verhältnismäßig schnell auf deren ganze Clique. Entsprechend gering ist allerdings auch die Gefahr, dass sich sein hassliebender Blick auf eine lesbische Frau richtet – sie entspricht schlicht nicht seinem “Beuteschema”.

No surprise so far.

Sehr überraschend ist allerdings, dass diese Untersuchung unter “104 Studenten einer großen amerikanischen Universität im Mittleren Westen, mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren” als repräsentativ für die Männer der Welt angesehen wird. Ist der Durchschnittsamerikaner nicht vielleicht einen Tick narzisstischer als Menschen aus anderen Teilen der Welt? Neigen junge Männer nicht grundsätzlich eher zu übersteigerten Gefühlsäußerungen – seien es nun Frauenhass oder narzisstische Tendenzen? Und haben die Begriffe Hass und Aggression nicht auch in den USA eine etwas andere Bedeutung als etwa in Nordeuropa? Spielen die Amis nicht auch Football? Und spielen die nicht anderswo auch gern mal Krieg?

Also, lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie einen Hass auf Frauen haben, nur weil so ein paar US-College-Boys ihre Hormone nicht im Griff haben.

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Einsamer sucht Einsame

Sind Sie einsam?

Das ist nicht gut.

Das ist gar nicht gut.

Eine Studie hat nämlich jetzt wissenschaftlich nachgewiesen, dass einsame Menschen nicht nur unglücklicher sind als sozial besser Vernetzte – sie leben auch ungesünder. Sie sterben früher. Es ist gut, dass das mal wer untersucht hat, denn die wachsende Einsamkeit insbesondere älterer Menschen ist eine der traurigsten Entwicklungen der so genannten Zivilisation. Es ist auch wichtig, dass eine solche Untersuchung PR-technisch gepusht und die Nachricht von der zersetzenden Kraft des Alleinseins in alle Kanäle gedrückt wird. Aber müssen sich die Autoren solcher Studien – oder deren PR-”Experten” – zu diesem Zweck immer solche “kernigen Vergleiche” rausleiern? So behaupten die Studienmacher:

  • Einsamkeit ist so schädlich wie 15 Zigaretten am Tag
  • Einsamkeit schadet mehr als keinen Sport zu treiben
  • Einsamkeit ist doppelt so schädlich wie Fettsucht
  • Einsamkeit ist so schädlich wie Alkoholmissbrauch

Was soll der PR-Ungeübte daraus ablesen? Möglichkeiten:

“Ich treffe mich jetzt mit meinen drei ebenfalls kettenrauchenden und übergewichtigen Kumpels auf eine Runde Rumsitzen, und das nennen wir dann Wellness?”

“Im Hotel quatsche ich lieber eine Stunde den Barkeeper voll als in den Fitnessbereich zu gehen?”

“Die Zigarettenwerbung hat doch irgendwie Recht. Ich stelle mich jetzt ganz gesellig zu den Kollegen auf die Qualmer-Terasse und schnorre mir eine, bin ich wenigstens nicht einsam?”

“Hach, was soll’s, trinke ich halt auch ein paar Dutzend Schnäpse, ist doch eine nette Runde.”

Wo bleiben die Tipps zur Verbesserung der Situation? Wo das Feingefühl? Das Problem bei Einsamkeit ist doch: Der Betroffene hat es nicht selbst in der Hand, seine Situation zu ändern. Erste Schritte zum Abnehmen oder beim Rauch-Stopp kann jeder Einzelne selbst unternehmen – man könnte sogar sagen, er muss. Aber einfach so auf andere zugehen, wenn man sehr einsam ist, und das vielleicht schon lange, das geht eben nicht. Und was ist, wenn Leute einsam sind, eben weil sie rauchen und saufen? Oder wenn sie rauchen und saufen, weil sie einsam sind? Wie sollen die sich fühlen, wenn sie diese Sätze lesen? Spätestens bei dieser Überlegung erscheinen solche Vergleiche total verfehlt.

Nein, also echt. Prima angefangen, am Ende vergeigt.

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ISS das ein Dreck hier!

“Saubere Arbeit, Jungs!” Das wird wohl keiner den Astronauten der ISS zurufen, wenn sie zur Erde zurückkehren.

Die Jungs hatten nämlich über einen defekten Sauerstoffgenerator geklagt. Womöglich waren bereits größere Rettungsmanöver mit dramatischen Außeneinsätzen und Wagner-Musik geplant. Doch dann kam die Astronautin Shannon Walker und machte das Gerät erst einmal richtig sauber – und es lief wieder. Touché!

Ich frage mich: Ist das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht für den Weltfeminismus? Einerseits: Ja, es war eine Frau, und nur sie allein, die das Leben und Arbeiten auf der einzigen bemannten Raumstation durch ihren heldenhaften Einsatz wieder möglich gemacht hat. Andererseits: Musste es unbedingt Putzen sein, womit sie das erreichte?  Untermauert diese Heldentat nicht wieder die These, Reinemachen sei eine genuin weibliche Tätigkeit?

Ich kann ja den Stolz verstehen, mit dem Frau Walker ihren Erfolg vermeldet hat, kann mir das triumphierende Grinsen vorstellen, mit dem sie angesichts der staunenden Kollegen den Lappen in den Eimer geklatscht hat – aber wäre es nicht klüger gewesen, einem der Jungs den Feudel in die Hand zu drücken?

Nun wird es von Seiten der Macho-Astronauten wieder heißen: “Good girl, well done – oh, lag der letzte Ausfall der Raumstationstoilette vielleicht auch an Verunreinigung? Shannon könntest du mal…?” Und die NASA-Oberen werden sich auf die Schultern klopfen und sagen: Seht ihr, genau dafür ist es gut, dass wir auch eine Frau an Bord haben!

Bezüglich des auf die ISS zurasenden chinesischen Weltschraumschrotts muss sich Mrs. Proper-Space jetzt jedenfalls etwas einfallen lassen.

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Mindesthaltbarkeitsdatum der Liebe entdeckt

Wüssten Sie nicht auch gern, wie lange Ihre Ehe oder Beziehung noch hält? Wissenschaftler von der University of Rochester (USA) behaupten nun,für eine Studie ein Verfahren entwickelt zu haben, mit dem sie erste Anzeichen eines Auseinanderdriftens der Partner feststellen können – und das oft bevor die Betroffenen selbst etwas merken. “Prima”, mag sich da mancher denken, “da ruf ich doch gleich mal an und frag, wie lang das mit mir und der Suse noch gut geht.”

Leider wird er darauf keine Antwort bekommen. Wenn er Glück hat, bekommt er in Rochester jemanden an den Apparat, der sowohl den Studienaufbau kennt als auch in der Lage ist, ihn verständlich zu schildern. Oder auch nicht.

“Hallo, ist da die Uni Rochester, Institut für Sozialpsychologie?”

“Ja, korrekt.”

“Ja, also, ich habe über ihre Studie da gelesen, die Sie da gemacht haben. Mit der Dauer von Beziehungen und so.”

“Ach Sie meinen ‘Assessing the Seeds of Relationship Decay – Using Implicit Evaluations to Detect the Early Stages of Disillusionment’?”

“Äh, wie? Ja genau. Ja, da wollte ich fragen, was Sie glauben, wie lange das mit mir und der Suse noch hält. Nur mal so übern Daumen.”

“Äh, nun, tja, so einfach ist das nicht. Da müsste Susan erst einmal hierher kommen und sich an einem kurzen Versuch beteiligen.”

“Suse.”

“Wie bitte?”

“Suse, meine Partnerin heißt Su-SE.”

“Äh, ja. Jedenfalls würde sie in unserem Test auf einem Bildschirm verschiedene positive und negative Begriffe lesen und zeitgleich Wörter, die Sie mit Ihnen verbindet, also Ihren Namen, Ihren Kosenamen und eine besondere Eigenschaft von Ihnen.”

“Sportlich.”

“Was?”

“Sportlich. Ich bin sehr sportlich. Ich gehe einmal in der Woche joggen. Das würde sie sofort wissen, dass ich damit gemeint bin.”

“Sehr gut. Ja, also dann liest sie auf dem Monitor etwa Ihren Kosenamen…”

“Günni.”

“Wie? Ja, also, das liest sie dann, und dann dazu ein paar positive und negative Begriffe, und je nachdem, ob sie Ihren Namen eher mit den positiven oder negativen Begriffen verbindet, können wir tendenziell ablesen, wie sie Ihre Beziehung für sich empfindet.”

“Positive oder negative Begriffe? Und mein Name?”

“Ja, genau.”

“Da steht dann da Blütenduft, Wagenwäsche und Reaktorschmelze. Und Günni. Oder was?”

“Na, nein, vielleicht eher…”

“Ist doch klar, dass die bei Günni nicht an Blütenduft denkt. Bleibt nur noch Reaktorschmelze und Wagenwäsche. Mit Reaktoren habe ich nix zu tun, bleibt die Wagenwäsche. Dann verbindet die mich mit Wagenwäsche. Dann stöhnt die natürlich, weil wir uns da eh immer drüber streiten, weil sie sagt, Auto ist ein Gebrauchsgegenstand, der kann auch mal dreckig sein. Sag ich: Das ist ein Wertgegenstand, und Werte muss man erhalten. Und dann knallt es. Da ist die doch sofort stinkig, wenn die das liest. Ist doch klar, dass dann die Beziehung den Bach runtergeht, wenn Sie da solche Wörter reinschreiben.”

“Sie MUSS ja nichts verbinden, sie kann. Und wir verwenden auch eher andere Begriffe wie Urlaub, Frieden, Unfall, Tod, Verständnis, Teilen, Nörgeln oder Kritik.”

“Haha! Na, super, da weiß ich genau, was die dann denkt. Da erinnert die sich dran, wie sie im letzten Urlaub rumgenörgelt hat, dass ich nie Verständis dafür habe, dass sie auch mal was erleben will, dass sie mal ein paar Erfahrungen teilen will. Wo ich doch nur in Frieden mein Buch lesen wollte. Stattdessen haben wir diesen Ausflug gemacht, hatten natürlich prompt einen Unfall, an dem natürlich wieder ich schuld gewesen sein soll. Günni, das hätte unser Tod sein können, hat sie geschrieen! Na, prima Begriffe haben Sie da. Dufte. Schreiben Sie doch gleich noch stinkende Socken, Bierfahne, Sportschau und Überstunden dazu. Damit kriegen Sie dann jede Beziehung kaputt, Sie Wissenschaftler Sie!”

“Aber… Hallo?”

Duuuuuuuuuuuut.

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Jetzt tanzen alle Puppen

Gerade las ich diese herrliche Meldung über einen Gefängnisausbruch in Argentinien. Zwei Gefangene machten sich die Tatsache zunutze, dass im Tango-Land die meisten Gefängniswachtürme gar nicht oder nur von Puppen besetzt sind.

Kaum hat sich das Lachen gelegt, kommt mir der Gedanke: Kluger Plan, falscher Anwendungsbereich. Mir fallen durchaus Milieus ein, wo das Ersetzen der Menschen duch Puppen tatsächlich Vorteile brächte. Angefangen mit großen Teilen der Regierungskoalition: Es gäbe mit Sicherheit nicht weniger gravierende und wegweisende Entscheidungen – aber dafür sooo viel Ruhe.

Dann so manche Volksmusik- und Schlagersendung. Es läuft ja eh ein scheinbar aus dem himmlischen Off stammendes Playback – aber wie viel unterhaltsamer wäre es, wenn dazu strohgestopfte Vogelscheuchen-Marionetten statt silikongestopfte und botoxverzerrte Scheuchvögel schunkeln würden. Ich sage absichtlich nicht: die Lippen bewegen. Denn das können die Puppen genau so wenig wie die Botox-Opfer.

Oder auch: Fußballfunktionäre. Der Informationsgehalt der Pressekonferenzen wäre derselbe, die Anzüge säßen nicht schlechter – aber wenn eine Puppe im Weg steht, schiebt man sie einfach beiseite.

Schließlich: Blog-Autoren. Nerven eh nur, kreisen nur um sich selbst – und so ein paar blöde Textlein die Woche schreiben sich ja quasi von selbst.

Haben Sie auch gerade gedacht? Na, also.

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Postkarte vom Planeten Derda (2)

Heute habe ich mal wieder einen Gruß von Alexxa erhalten. Sie erinnern sich? Das ist diese Freundin von mir, die auf Derda wohnt, einem Planeten sehr ähnlich der Erde. Nur dass dort alle Frauen sind. A-L-L-E. Auch die Individuen mit Penis. So ist das eben. Zack, per planetarem Gesetz geregelt. Und mit einem Schlag alle Probleme gelöst: Gleichstellung, Umkleiden in Schwimmbädern, Anrede großer Gruppen.

Alexxa schreibt mir, wie “niedlich, aber auch interessant” sie unsere Debatte um die Frauenquote findet. Sie wägt eine Weile die Vor- und Nachteile ab und schreibt dann:

“Bei uns ergäbe das ja keinen Sinn, weil die Frauenquote sowieso überall bei 100 Prozent liegt. Ich überlege die ganze Zeit, wo sich eine ähnliche Situation ergeben könnte.

Am ehesten denkbar wäre eine Penisquote. Viele Arbeitgeberinnen im industriellen Bereich bereuen die Einstellung von Derdanerinnen mit Penis, da diese oft die Geburt eines Kindes zum Anlass nehmen, lange Zeit aus dem Beruf auszusteigen. Auf Derda sind beide Erzeugerinnen eines Kindes vollkommen gleich verpflichtet, sich um die Betreuung desselben zu kümmern. Grundsätzlich kein Problem, denn stillen können ja beide. Alle Derdanerinnen haben Brüste, auch wenn sie einen Penis haben – wusstest du doch, oder? Oft bleiben aber eher die Derdanerinnen mit Penis  längere Zeit zuhause, weil sie aufgrund ihrer kräftigeren Statur und ihrer größeren körperlichen Leistungskraft im industriellen Komplex eher bei harten Arbeiten ‘verbrannt’ werden, und daraus große gesundheitliche Beschwerden resultieren können.

Ihre Stelle muss allerdings weiterhin unbesetzt bleiben oder jederzeit geräumt werden können, wenn sie ins Arbeitsleben zurückkehren wollen. Das könnte viele Chefinnen davon abhalten, Derdanerinnen mit Penis einzustellen. Eine solche Quote ist allerdings hier gar nicht notwendig, weil es unvorstellbar ist, dass eine Derdanerin beim Vorstellungsgespräch den Rock hebt, damit die Personalerin überprüfen kann, ob da etwas baumelt. Sind bei euch jetzt nicht auch anonymisierte Bewerbungsschreiben in Planung? Das bringt vielleicht mehr als jede Quote. Ihr macht das schon! Liebe Grüße, Alexxa”

Alle haben Brüste… Hach, einmal nach Derda fliegen. 14 Tage all inclusive. Das wär’s.

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Der Mann im Radio

In Großbritannien startete am Sonntag in der BBC die Männer-Ausgabe der seit 1946 laufenden Radio-Show “Woman’s Hour” – in der “Men’s Hour” plauderten 4 Männer und eine Frau über Männerthemen und das, was sie dafür halten. Die Resonanz in der Presse war gestern eher verhalten bis mäkelnd. Und auch ich frage mich: Fände eine solche Sendung in Deutschland ihr Publikum?

Sicher, man könnte argumentieren, in einem Land, in dem sogar Menowin Fröhlich seine eigene Radiosendung hat (dienstags, 15 Uhr bei gaga.fm) bekommt jeder eine Anzahl Hörer, die er verdient. Aber klänge ein Radio-Talk über Männerprobleme nicht in den meisten Fällen über lange Strecken genau so, wie Sarah Vine in der Times den Moment beschrieb, als es in der Men’s Hour um den männlichen Hang zur Untreue ging, nämlich wie “das Geräusch von fünf Männern, die stumm auf ihre Schuhe starren”? Aufklärerische Problemgespräche und schleppende Dialoge über Impotenz, Bierbauch, Arbeitslosigkeit und Phimose – wer will sich das anhören? (Gut okay: Frauen. Klar. Schön kaputtlachen, haha, Männerprobleme, hihi, dufte. Aber Myladies: Um Sie geht es hier gerade nicht.) Und weiter gefragt: Wer will sich in so eine Show überhaupt hineinsetzen?

Klar, Guildo Horn und Guido Westerwelle äußern sich zu  jedem Thema und hätten – jeder auf seine Art – auch den nötigen männerbewegten Approach. Aber Radio? Eine Stunde lang? Warum nicht gleich Fernsehen? Ach ja, genau: Fernsehen.

Kaum ist dieser Gedanke formuliert, drängt sich bereits der nächste auf: Brauchen wir nicht, haben wir schon. Die Men’s Hour findet bei uns auf allen Kanälen statt: Ob Reinhold Beckmann in der ARD, Markus Lanz im ZDF, Johannes B. Kerner auf – äh, wo jetzt gerade nochmal? Und demnächst Jörg Pilawa, auch im ZDF. Klar, in diesen Sendungen sind auch Frauen zu Gast, aber Deutschland hat ja auch die Gleichberechtigung, da kommt alles in eine Trommel und wird zusammen weichgespült, bis es sich nicht mehr wehrt. Oder waschen Sie zuhause etwa Damen- und Herrenwäsche getrennt? Eben.

Und wenn es denn komplett männlich sein soll, schalten Sie ab 15. August sonntags Sport1 ein, den Sender für plattgesponserte Bewegungskultur: Dort schlägt am Sonntag-Vormittag um 11 Uhr die Männer-Stunde, wenn im Fußball-Talk “Doppelpass” Moderator Jörg “Wonti” Wontorra jedes bedeutsame Männerproblem haarfein zerlegt, das bei Anpfiff noch in der Kabine ist.

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Bei Gesten nichts Neues?

In einer Ausstellung präsentiert ab kommenden Samstag die Grafikerin Wiebke Hansen in Hamburg die Ergebnisse einer Spurensuche. Sie hat sich mit der medialen (Selbst-)Darstellung moderner Frauen befasst. Ihre Feststellung: Noch immer zeigen Frauen Gesten und Gesichter, die dem Weibchen-Schema der 50er und 60er Jahre zu entstammen scheinen, oder sogar noch älter sind. Da werden Zungen gezeigt und Lippen geleckt, Gegenstände angelutscht, Münder orgasmisch geöffnet und Verführerinnenblicke abgeschossen.

Natürlich wäre es sehr interessant  zu wissen, ob diese Frauen von selbst darauf gekommen sind, sich so männergelüstekonform zu verhalten, oder ob es Fotografen und Regisseure waren, die sie dazu brachten. Ob sie sich dadurch besser oder schlechter fühlten, schöner oder abstoßender, fraulicher oder entfraulicht.

Aber ich frage mich zuallererst, warum es einen derartigen Gestenkatalog nicht für Männer gibt. Man stelle sich einen Kerl bei den aufgezählten Verrichtungen vor – und schüttele sich einmal kräftig. Ein Mann (womöglich mit Schnauzbart), der sich langsam und lasziv die Lippen leckt, weckt bei Frauen wie Männern sicherlich andere Reaktionen als eine schöne Frau, die das tut. Was sind also nicht wegzudenkende eindeutig männliche Verführergesten und -posen? Gibt es die überhaupt? Und wenn ja: Ziehen sie in gleicher Weise? Angeblich geht das bei Frauen ja nicht so übers Optische wie bei Kerlen, auch waren Männer als Verführer immer mehr Zupacker als Anlocker.

Aber ich wünsche mir trotzdem eine solche Sammlung in Bezug auf den Mann.

Ein paar Ideen:

- Jubelnde Sportler: Durchtrainierte Körper, hochgerissene Arme, wölfisch entblößtes Siegerlachen, viel, viel Schweiß. Da ist Musik drin. Gerade erst empörte sich eine Kollegin darüber, wie Fußball guckende Frauen das Aussehen der Trainer und Spieler bewerten. Ist das nur Desinteresse am Sport – oder liegt aus Frauensicht ein großes Maß Erotik im Männersport?

- Hebende und tragende Männer: Es gibt doch dieses Foto, das in den 80ern in vielen Mädchenzimmern hing: Ein Typ in Jeans mit freiem Oberkörper, der zwei Autoreifen hält, in jeder Hand einen. Das scheint  zu knallen. (Randnotiz: Geht das auch mit zwei Bierkästen?) Überhaupt: Bauarbeiter-Style.

- Bizeps-Pose, Hände-in-die-Hüfte-Stemmen: Irgendwo müssen diese Bodybuilder-Standards doch herkommen.

- Breites Grinsen: So richtig zahnblinkendes, weiträumiges Abkiefern von einem Ohr zum anderen. Selbstsicherheit mit einem Anflug von Humor. Das muss es doch sein.

- Der Steinzeit-Look: dümmliches Vorschieben des Unterkiefers gepaart mit stechendem Blick und viel Körperhaar. Das hat uns schließlich irgendwie aus der Eiszeit hierher ins Jetzt gebracht.

- Armbaumeln: Warum sollten Männer das sonst tun? Beim Cabriofahren hängt der Arm aus der Tür, beim Sitzen im Armlehnstuhl hängt er seitlich an der Lehne herunter, beim Anlehnen an eine Bar baumelt er am Tresen. Die daran hängende Hand scheint stets zu signalisieren: Hallo, ich bin frei, ich könnte dir mit deiner Nackenverspannung helfen. Oder diesem klemmenden BH-Verschluss.

Was auch immer dabei ist: Die Ausstellung würde ich mir ansehen. Und alles mal ausprobieren. Vor Ort. Live.

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Männer, macht endlich richtig Url@ub!

Laut einer aktuellen Umfrage lesen fast zwei Drittel aller Männer (63 Prozent) im Urlaub ihre geschäftlichen E-Mails, bei den Frauen tun dies nur 39 Prozent.

Jungs, so geht das nicht!

Im Urlaub ist Erholung angesagt, nicht das Durchstöbern des Büro-Tratsches. Sie müssen lernen, mal loszulassen. Überhaupt: Das Surfen im Netz ist eine nicht Urlaubs-adäquate Tätigkeit. Fahren Sie den Handheld PC runter, gehen Sie raus aus diesem schlecht ventilierten, nach uralten Flipflops riechenden Internet-Café, wo es außer warmer Cola und lahmen Rechnern nichts Nennenswertes zu sehen gibt. Lesen Sie die Zeitung am Strand, nicht im Netz. Da, wo Sie jetzt sind, ist es egal, wenn Sie die Neuigkeiten erst mittags erfahren. Überhaupt: Was für Neuigkeiten? Ist doch eh Sommerloch, auch Mutti Merkel robbt jetzt in die Sommerfrische. Tauchen Sie lieber nach einem eigenen Orakel-Kraken, als das Herumgedeute der Journaille zu verfolgen. Sparen Sie sich auch das Lesen dieser überflüssigen Blog-Seiten, ist doch eh alles nur Bla-Bla. Sie können…

Hallo?

He, hallo, hiergeblieben!

Heee…

Mist.

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Wer bist du denn, Mann?

Sie haben gedacht, im Internet könnten Sie endlich mal so sein, wie Sie wollen? Damit ist es nun bald vorbei.

Ab demnächst sollen im Online-Rollenspiel “World Of Warcraft” in den Foren nur noch die Echtnamen der User verwendet werden dürfen. Andere Online-Welten-Betreiber könnten folgen. Die Nutzer laufen Sturm, alle beklagen eine Facebookisierung des Internets, denn es ist wohl jedem klar, was dieser Trend – wenn er denn einer wird – für Gründe hat: Nur wer in seinem Netz immer und überall mit derselben, und zwar möglichst der echten Identität auftaucht, kann auch zielsicher mit “individualisierter” Werbung und ebensolchem Marketing verarztet werden. Mal ganz davon abgesehen, dass sich jeder, der dabei mitmacht, freiwillig in die Arme des “Big Brother” begibt, den vor 30 Jahren noch alle fürchteten, entstehen auch ganz andere Probleme:

- Viele User schießen in Online-Spielen aufeinander oder legen sich sonstwie um. Tun sie das unter Echtnamen, oder sind die Echtnamen zumindest ermittelbar, ist der Schritt nicht mehr so fernab allen Denkens, den Online-Gegner auch im wirklichen Leben als “Feind” zu betrachten. Mit echten Namen ist der Krieg weniger ein Spiel.

- Ein Höhlentroll namens Kevin Korritke ist nicht mehr wirklich furchterregend.

- Viele Männer sind online Frauen. Entweder diese Avatare verschwinden, was wohl zunächst einen ziemlich schmerzhaften Frauenmangel im Web nach sich ziehen würde – oder es gibt demnächst sehr viele schöne blonde Amazonen mit Namen “Horst” oder “Hartmut”.

- Dem Echtnamen folgen marketinglogisch sicherlich bald die Echteigenschaften. Denn nur ein Avatar mit Real-Life-Wampe ist geeignete Zielscheibe für Abnehm-Produkte. Aber: Wenn jeder demnächst online nur noch er selbst sein kann – wo liegt dann der Sinn, noch zu spielen? Er selbst ist er doch so schon. Früher auf dem Spielplatz hieß es ja auch nicht: “Kevin, du wärst jetzt der Kevin, und du würdst in so ‘ner Höhle leben…” Es hieß: “Kevin, du wärst so’n riesiger Höhlentroll.”

Na, soll sich die Facebook-Maschine doch ihr eigenes Grab schaufeln. Ich bin gar nicht so sehr dagegen. Bei dem geilen Wetter sollte sowieso keiner online Trolle schlachten. Darum verdrück ich mich jetzt hier auch ganz geschmeidig.

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