Eine schöne Frau als Bulldozer-Fahrerin – das passt nicht? Stimmt. So sehen das laut einer US-Studie wenigstens viele Menschen. Management-Professorin Stefanie Johnson von der Business School an der University of Colorado (Denver) behauptet, dass gerade attraktive Frauen bei als “maskulin” angesehenen Jobs wie Bauaufseher oder Ingenieur, Forschungsleiter oder Finanzdirektor, benachteiligt werden. Gut aussehende Männer würden dagegen nicht signifikant anders behandelt als weniger hübsche. In der Studie wurden den befragten Bewerbungsunterlagen mit Foto vorgelegt. Bei Jobs wie Rezeptionistin oder Sekretärin bevorzugten die Studienteilnehmer gut aussehenden Frauen – bei Stellen im Bereich Sicherheit oder Transport, wie etwa Gefängniswache oder Lastwagenfahrer, wurden die Schönheiten jedoch abgelehnt, auch wenn sie laut lebenslauf theoretisch dafür geeignet wären.
Daraus folgern die Studienmacher und einige Kommentatoren vor allem zwei Dinge:
- Männer nutzen immer noch ihre Position, um Frauen aus bestimmten männerdominierten Bereichen der Arbeitswelt fernzuhalten.
- Frauen werden in klassisch männerbestimmten Bereichen nach wie vor diskriminiert.
Auch ich glaube, dass diese beiden Thesen zutreffen – aber ich halte diese Studie für einen denkbar schlechten Beleg. Nicht weil es sich hier mit Ursache und Wirkung nicht tatsächlich so verhielte. Nein, sondern weil die Studie sich selbst diverse Beine stellt:
- Wenn bei der Bewerberauswahl eine als nicht-schön eingestufte Frau gegenüber einer als schön klassifizierten Frau den Vorzug erhält – an welcher Stelle wurde dann eine Frau diskriminiert, weil sie eine Frau ist? Wo erhielt ein Mann einen Vorteil? Wenn das schon eine Diskriminierung sein soll, dann im Sinne von Äußerlichkeiten – und da haben sonst doch wohl die Unansehnlichen eher das Nachsehen, egal ob Mann oder Frau. Es gibt tiefschürfende Forschung zu dem Thema, wie das Aussehen die Karriere beeinflusst. Noch nie hat sich wer beschwert, dass er einen Job nicht bekommen hat, weil er zu gut aussieht. Also ist das Ergebnis ein erfrischendes Gegenbeispiel zur sonstigen Diskriminierung.
- Die Studienmacher warnen davor, dass einige Frauen aufgrund ihres guten Aussehens zwar Jobs bekommen können, für das gutes Aussehen eine Rolle spielt – also etwa Rezeptionistin oder Sekretärin – aber keinen Zugriff auf solche Jobs haben, wo äußerliche Aspekte nicht als wichtiges Kriterium angesehen werden. Da möchte ich mal vorsichtig fragen: Wie viele explizit als schön zu bezeichnende Frauen bewerben sich außerhalb drittklassiger Hollywood-Streifen wirklich auf Posten als Gefängniswärter, Abschleppwagenfahrer und meinetwegen Baustellen-Polier? Keines dieser Gewerbe ächzt unter einer zu hohen Anzahl weiblicher Bewerber, vor allem nicht von Supermodels. Insofern mag die Studie irgendwo eine wahre Aussage treffen – aber sie findet keine Entsprechung in der Realität.
- Und wenn die – sicherlich nicht nach den Kriterium “erfahrener Personalchef” ausgewählten – Probanden eher eine reife Frau mit breitem Kinn und platter Nase als eine apart zurechtgemachte Mittzwanzigerin zum Schließerdienst auf dem Hochsicherheitstrakt eingeteilt haben, könnten sie vielleicht auch Beschützerinstinkte oder Klischees über die Fähigkeit, sich der eigenen Haut zu erwehren, dazu bewegt haben. Aber keine frauenunterdrückerischen Macho-Motive.
By the way: Management-Professor an der Uni Denver klingt doch eigentlich auch nach einem typisch maskulinen Beruf mit Glatzen- und Doppelkinn-Pflicht, oder? Wie unglaublich schön die anderen Anwärter dafür waren, kann man nur mutmaßen…
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