Da haben doch tatsächlich zuletzt Wissenschaftler festgestellt, dass Männer und Frauen in verschiedenen Welten leben. Eine Untersuchung des Kommunikationsverhaltens beider Geschlechter zeigte große Unterschiede: Frauen reden über Freunde und Familie, Männer über Fußball. Frauen reden über Gesundheitsthemen und Kinder, Männer über Autos.
Mal ehrlich: Sind wir baff?
Sind das nicht weltsensationelle Top-Neuigkeiten?
Nun ja, hehe, also ein paar Anzeichen dafür waren durchaus schon vorher auszumachen. Getrennte Toiletten, getrennte Umkleiden, getrennter Sport- und neuerdings Mathe-Unterricht, verschiedene Geschmäcker, was Kleidung, Musik, Filme und Abendgestaltung sowie Sex angeht, grundverschiedene Unterwäsche, die Frauenbewegung, jahrzehntelanger Geschlechterkrieg, Alice Schwarzer immer noch im Amt… Da hätte man auch ohne Versuchsreihe drauf kommen können, dass es ein paar relativ unübertünchbare Unterschiede gibt.
Aber alle Zeitungen stürzen sich brav darauf. Was mich an dem Wirbelsturm im Proseccoglas stört: Erst wird das allgemeine Menschenempfinden, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, als unerträglich klischeehaft abgetan – und wenn sich die Klischees dann sogar in einer Studie bestätigen, tun alle ganz überrascht und suchen hektisch nach Gründen, warum denn diese Klischees immer noch in den Köpfen stecken. Anstatt einfach mal lockerzulassen. Das treibt zuweilen kolossale Blüten.
So sagte die Leiterin der Studie sinngemäß, dass Männer sich für viele (Frauen-) Themen nicht interessierten, weil sie ja verstärkt das Internet nutzten und da von vorneherein nur das suchten, was sie interessiert. Frauen konsumierten ja von klein auf viele Printprodukte wie Bücher und Zeitschriften, wo sie auch mit anderen Themen konfrontiert würden. Dazu ein paar Fragen:
- Welche Frau sucht im Internet nach Dingen, die sie nicht akut interessieren? Anders gefragt: Welche Frau recherchiert nicht online, wo sie diese geilen Jeans für zehn Euro weniger bekommt?
- Inwieweit bieten die Printprodukte, die Frauen ja so bevorzugt lesen (Gala, Glamour & Co.) ihnen Einblicke in andere Welten – insbesondere in Männerwelten? (Von den letzten Schnappschüssen von Leo DiCaprios Yacht mal abgesehen…) Wenn hier schon schon von mangelnder Bereitschaft die Rede ist, jenseits des Geschlechtervorhangs zu schnuppern, dann doch bitte auf beiden Seiten.
- Inwiefern würde die Welt besser, wenn Männer online nach Frauenjeans recherchierten, die sie in der neuen Gala gesehen haben – mal abgesehen davon, dass die Jungs die Dinger wahrscheinlich sogar für 50 Euro weniger auftreiben würden…?
Dieses Thema macht mich so müde, so müde. Na, sei’s drum. Ich sage: Anstatt die Unterschiede permanent zu leugnen, und dann und wann die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen, wenn wir feststellen müssen, dass es sie doch gibt, sollten wir sie zu schätzen lernen und das Beste daraus machen. Zum Beispiel eine richtig geile Männerzeitschrift…
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Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Textchef von Men's Health, über Männer-