Es werden gerade Stimmen laut, die behaupten, die Piratenpartei wäre frauenfeindlich. Begründung: Da gebe es ja kaum Frauen, vor allem keine, die Ämter bekleiden. Hm. Dann sind Männerduschen noch frauenfeindlicher, da gibt es gar keine Frauen. Anders gesagt: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in der Piratenpartei besonders viele Frauen zu vermuten. Genau so, wie ich in einer Barbie-Partei keine oder nur wenige Männer erwarten würde. Hallo? Die Piraten sind eine Partei von Computer-Nerds und Internet-Freaks. Da gibt es eben nicht besonders viele Frauen. Weil sich die meisten Frauen nicht für diesen Kram interessieren – zumindest nicht in dieser Konsequenz. Und solange wie die Erfolge der Piratenpartei überschaubar blieben, hat das auch kaum jemanden gekümmert.
Nun holt sie fast 9 Prozent der Stimmen in Berlin – und schon rufen alle “Gleichstellung”, “Frauenförderung” und “Querschnitt der Gesellschaft”. Das erinnert ein bisschen an früher, wenn die Jungs mit der Carrera-Bahn gespielt haben und die Mädchen sagten: “Carrera-Bahn ist doof!” Dann kam Onkel Max dazu, den alle Kinder toll fanden, und sagte: “Carrera-Bahn! Super! Kann ich mitmachen?” Und schon schrieen die Mädels: “Wir wollen auch! Die doofen Jungs lassen uns nicht mitspielen!”
Ich behaupte, wenn 100 Männer eine Biertrinker-Partei gründen (gab es wirklich mal), wollen die allerwenigsten Frauen damit etwas zu tun haben. Wenn die Biertrinker-Partei 10 Prozent der Stimmen bei einer deutschen Landtagswahl holt, dauert es nicht lange, und ein hysterischer Frauenchor schreit “Mitbestimmung!” Und natürlich: “Biertrinker-Machos!”
So traurig das für die Frauenbewegung sein mag: Die Piratenpartei wurde nicht für ihre frauenpolitischen Ansätze gewählt. Ihre Wähler verstehen sich ja auch eher als User, als Online-Wesen, bei denen das Geschlecht völlig egal ist. Freies Internet für alle. Netzkompetenz. Online-Mitbestimmung. Dafür sind die Piraten gewählt worden. Wer dem jetzt ein genderpolitisches Korsett überstülpen will, sagt in letzter Konsequenz, dass die Inhalte nicht so wichtig sind wie die Personen. Und: Wer eine Frauenquote bei den Piraten fordert, muss erst einmal eine ausreichende Zahl an glaubwürdigen Piratinnen aufbringen, die diese Quote rechtfertigen bzw. überhaupt erfüllen können.
Wer jetzt fordert, es müsse bei den Piraten trotzdem mehr Frauen geben, weil das eben so sei, und weil Alice Schwarzer sonst so schlecht schläft, dem sei der Film “Die Piratenbraut” (1995) mit Geena Davis empfohlen. Der Film bleibt in Form und Inhalt deutlich hinter anderen Piratenfilm-Klassikern zurück – und trieb seinerzeit die zuständige Produktionsfirma Carolco in den Ruin…
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