Ein US-Amerikaner hat einen Roboter entwickelt, der Übergewichtigen beim Abnehmen helfen soll. Einfach durch Ansprache und Motivation. Sie geben Ihre Abnehmziele ein, und “Autom”, so der Name des Roboters, hält Sie mit aufmunterndem Feedback bei der Stange. Außerdem versorgt er Sie mit Ernährungsratschlägen und -plänen.
Oder auch nicht.
Wie den Meldungen zu entnehmen ist, spricht das Gerät fließend Englisch, Kantonesisch und Mandarin. Mit einer Frauenstimme. Es ist 38 Zentimeter groß.
Begeben wir uns einmal direkt in den Alltag des übergewichtigen Facharbeiters Udo P. aus K. Er hat sich einen Autom “übers Internetz” bestellt und nennt ihn zärtlich “Fiffi”. Er will mit Fiffis Hilfe binnen 2 Monaten 5 Kilo abspecken – “ersma langsam anfangen”. Er schaltet Fiffi ein, und Fiffi sieht ihn mit verständnisvollen blauen Augen an. “Da bin isch janz weisch jeworden und hab de Pizza drekt im Müll jetan.” So weit, so erfolgreich.
Und schon beginnen die Probleme. Kaum eingeschaltet, rollert Fiffi um die Füße des 1 Meter 90 großen und schwerfälligen Mannes herum und stößt Warnlaute aus, obwohl Udo nur mal auf die Toilette will. Es gibt Schwierigkeiten mit der Verständigung. Udo kann kein Englisch, der Verkäufer – ein Zwischenhändler in Österreich – schrieb ihm, das sei kein Problem. Er schrieb ihm nicht, dass er es dann mit Mandarin oder Kantonesisch versuchen müsse. Udo drückt beim Einschalten die Wahlmöglichkeit “English” einfach weg und dachte, “dat würd jetzt schon funktionieren”. Die chinesischen Schriftzeichen, die auf dem Display erschienen, hält er für “hübsche Schmuckdingens, so Verzierungen halt”. Aufgrund seiner Unfähigkeit, kantonesische Schriftzeichen zu entziffern, kann er auch die Lautstärkeregulierung nicht finden oder bedienen.
So sieht er sich jetzt einem 38 Zentimeter kleinen Monstrum mit blinkenden blauen Augen gegenüber, dass ihn mit einer viel zu lauten Frauenstimme auf Kantonesisch anschreit. “In meinen eigenen Wohnzimmer!” Eine Mikroprozessorsteuerung sorgt dafür, dass sich bei Nichtregulierung die Lautstärke und die Frequenz der Warnungen minütlich erhöhen. “Rischtisch rabiat wurde die, äh, der. Oder die oder dat?” Er ist sich natürlich nicht sicher, aber er versteht immer wieder das Wort “Fettsack”. (Wäre er des Kantonesischen mächtig gewesen, hätte er verstanden, dass Fiffi ihn nur immer wieder zur Eingabe seiner persönlichen Benutzerdaten aufforderte.)
In dem Bestreben, der Situation Herr zu werden, versucht Udo P., Fiffi zu greifen, um den Ausknopf zu betätigen. Fiffi ist auf Diätfluchten wie diese vorbereitet und rollert ihm flink zwischen den Beinen hindurch. Udo P. greift nach hinten unten und vernimmt ein lautes Knirschen aus dem Bereich der unteren Bandscheiben. Kurz darauf treibt ihn ein stechender Schmerz in eine tiefe Ohnmacht, aus der er erst in einem Zimmer für Kassenpatienten des nächstgelegenen Krankenhauses wieder erwacht.
Nachbarn waren auf seine Lage aufmerksam geworden, weil sie aus seiner Wohnung das laute Schreien “von so ner Ausländerin” und “so bollernde Geräusche” vernommen hatten. Die wegen des Verdachts der häuslichen Gewalt herbeigerufenen Polizisten fanden den leblosen Udo P. mit akutem Bandscheibenvorfall auf dem Fußboden – und Fiffi, wie sie unter lautem Geplärr immer wieder gegen die Balkontür rasselte. Ein Schuss, der sich nach Angaben eines Polizeisprechers “versehentlich löste”, zerstörte Fiffis zentrale Kontrolleinheit, sorgte aber für Ruhe. Udo P. will sich nach der Reha bei einem Fitness-Studio anmelden. Der österreichische Zwischenhändler bedauert den Vorfall sehr, sieht aber genau so wie der Hersteller in Hongkong keinen Anlass für Regressforderungen.
Hätte Udo P. sich mal an seinen alten Kumpel Horst D. gewandt. Der hat gerade mit einer Laufgruppe und dem Men’s-Health-Abnehm-Coach 6 Kilo verloren.