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Höhlenmensch als Flirtexperte? Primitive Bunga-Bunga-Baggerstrategie wirkt angeblich!

Pssst!

Eigentlich darf ich Ihnen das ja gar nicht sagen. Nicht weil es peinlich wäre. Aber, pssst! Ich will ja nicht auch einen dieser gefürchteten offenen Briefe von Alice Schwarzer bekommen.

Sie meinen ich sollte es darauf ankommen lassen? Okay.

Also, eine Studie der Kansas University legt nahe, dass Männer, die nur auf der Suche nach Sex sind, sich beim Flirten ruhig auch mal wie Steinzeitmenschen benehmen sollen. Die Forscher konnten zeigen, dass sexhungrige Männer, die beim Ansprechen einer Frau keinen Hehl aus ihren Absichten machten, eher zum Erfolg kamen. Natürlich nur unter der Bedingung, dass die Frauen ebenfalls genau darauf hinaus wollten.

Verstehen Sie das also nicht falsch: Es heißt nicht, dass Sie jetzt Ihr Hemd bis zum Bauchnabel aufknöpfen sollen, um dann zur nächstbesten Frau zu sagen: “Heee, Chica, du und ich, wir beide – Bunga-Bunga!” Das wird so nichts. Sie müssen erst einmal die passende Frau finden, die mit der gleichen sexistischen Grundhaltung über die selbe Party schleicht.

Und da sehen Sie, wie viel Ihnen diese Studie nützt: Gar nix.

Denn dass es irgendwo da draußen die eine oder andere Frau gibt, die gerne unkompliziert und schnell ein bisschen netten Sex haben will, war Ihnen vorher klar. Sie wollten nur endlich wissen, woran Sie diese Frau ERKENNEN, verdammt noch eins.

Jetzt können Sie natürlich versuchen, durch eine Streubombentaktik die Wahrscheinlichkeit zu Ihren Gunsten zu beeinflussen, und einfach Dutzenden Frauen die Bunga-Bunga-Frage stellen, solange, bis Sie die richtige finden.

Mein Tipp: Lassen Sie es bleiben. Sie wollen doch nicht als der peinliche Typ gelten, der alles anmacht, was sich nicht rechtzeitig auf der Toilette einschließt. Zumal sich die Wirkung Ihrer charmanten Direktheit mit einer zunehmenden Anzahl von Gefragten rasch verflüchtigen dürfte. Und: Zu viele Körbe in schneller Folge machen depressiv. Der Neandertaler hatte Ihnen gegenüber in dieser Hinsicht etwas Entscheidendes voraus: Ein wesentlich dickeres Fell.

Männer leben in einer anderen Welt, Frauen auch

Da haben doch tatsächlich zuletzt Wissenschaftler festgestellt, dass Männer und Frauen in verschiedenen Welten leben. Eine Untersuchung des Kommunikationsverhaltens beider Geschlechter zeigte große Unterschiede: Frauen reden über Freunde und Familie, Männer über Fußball. Frauen reden über Gesundheitsthemen und Kinder, Männer über Autos.

Mal ehrlich: Sind wir baff?

Sind das nicht weltsensationelle Top-Neuigkeiten?

Nun ja, hehe, also ein paar Anzeichen dafür waren durchaus schon vorher auszumachen. Getrennte Toiletten, getrennte Umkleiden, getrennter Sport- und neuerdings Mathe-Unterricht, verschiedene Geschmäcker, was Kleidung, Musik, Filme und Abendgestaltung sowie Sex angeht, grundverschiedene Unterwäsche, die Frauenbewegung, jahrzehntelanger Geschlechterkrieg, Alice Schwarzer immer noch im Amt… Da hätte man auch ohne Versuchsreihe drauf kommen können, dass es ein paar relativ unübertünchbare Unterschiede gibt.

Aber alle Zeitungen stürzen sich brav darauf. Was mich an dem Wirbelsturm im Proseccoglas stört: Erst wird das allgemeine Menschenempfinden, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, als unerträglich klischeehaft abgetan – und wenn sich die Klischees dann sogar in einer Studie bestätigen, tun alle ganz überrascht und suchen hektisch nach Gründen, warum denn diese Klischees immer noch in den Köpfen stecken. Anstatt einfach mal lockerzulassen. Das treibt zuweilen kolossale Blüten.

So sagte die Leiterin der Studie sinngemäß, dass Männer sich für viele (Frauen-) Themen nicht interessierten, weil sie ja verstärkt das Internet nutzten und da von vorneherein nur das suchten, was sie interessiert. Frauen konsumierten ja von klein auf viele Printprodukte wie Bücher und Zeitschriften, wo sie auch mit anderen Themen konfrontiert würden. Dazu ein paar Fragen:

- Welche Frau sucht im Internet nach Dingen, die sie nicht akut interessieren? Anders gefragt: Welche Frau recherchiert nicht online, wo sie diese geilen Jeans für zehn Euro weniger bekommt?

- Inwieweit bieten die Printprodukte, die Frauen ja so bevorzugt lesen (Gala, Glamour & Co.) ihnen Einblicke in andere Welten – insbesondere in Männerwelten? (Von den letzten Schnappschüssen von Leo DiCaprios Yacht mal abgesehen…) Wenn hier schon schon von mangelnder Bereitschaft die Rede ist, jenseits des Geschlechtervorhangs zu schnuppern, dann doch bitte auf beiden Seiten.

- Inwiefern würde die Welt besser, wenn Männer online nach Frauenjeans recherchierten, die sie in der neuen Gala gesehen haben – mal abgesehen davon, dass die Jungs die Dinger wahrscheinlich sogar für 50 Euro weniger auftreiben würden…?

Dieses Thema macht mich so müde, so müde. Na, sei’s drum. Ich sage: Anstatt die Unterschiede permanent zu leugnen, und dann und wann die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen, wenn wir feststellen müssen, dass es sie doch gibt, sollten wir sie zu schätzen lernen und das Beste daraus machen. Zum Beispiel eine richtig geile Männerzeitschrift…