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Tag: JensHealth tagged with 'alice schwarzer'

Warum müssen Frauen zur Gleichstellung seit Jahrzehnten immer gleich Stellung beziehen?

Eigentlich kommen Sie mit den Frauen ganz gut klar, oder? Und die Frauen auch mit Ihnen, oder nicht? Besonders die Frau in Ihrem Leben wirkt eigentlich ganz glücklich – mit ihren Bildungschancen, ihrem Job, ihren Yoga-Kursen und so weiter. Außerdem gibt’s doch bei H&M gerade wieder diese obergeilen Frühe-80er-Trends, die so cool von Gisele Bündchen beworben werden. Eine Super-Frau, die ganz toll Familie und Karriere unter einen Hut bekommt. Man möchte fast ausrufen: “Ist das Leben als Frau nicht schön?” Nein! Ist es nicht! Es ist schrecklich! Ihre Liebste hat keine Ahnung. Das ist alles nur eine Illusion. Denn wir leben immer noch tief in der Frauenhölle der Vorvergangenheit. Die deutsche Überoberfrau (nein, nicht Frau Merkel, sondern natürlich Alice Schwarzer) hat dieser Tage angemerkt, dass die Emanzipation der Frau sich gerade wieder auf dem Niveau der 1970er Jahre befinde. Soso. Interessant.

Wir erinnern uns – um nur mal einen Aspekt herauszugreifen: Bis 1977 waren Frauen per Gesetz verpflichtet, ihren Ehemann um Erlaubnis zu fragen, wenn Sie einer gewerblichen Tätigkeit nachgehen, sprich: arbeiten wollten. Mittelalterlich. Und selbst wenn der Herr Gemahl der Frau das Arbeiten erlaubte, blieb er Verwalter ihres Geldes. Entsetzlich. Aber: Ist das wirklich heute noch so? Ich will ja jetzt gar nicht darauf hinaus zu fragen, bei wem Frau Schwarzer ihre Kohle abliefert. Ich gehe eher mit 150-prozentiger Sicherheit davon aus, dass sie das Geld behält. Genau wie Frau Merkel. Und Frau Merkel hat sicherlich auch nicht vorher ihren Mann um Erlaubnis gebeten, Bundeskanzlerin werden oder bleiben zu dürfen. (“Och, komm’ Sauerlein, nur noch mal 4 Jährchen, hm?”)

Überhaupt: Frau Merkel. Sie ist ja eigentlich ein ganz guter Beleg dafür, dass sich für die Frauen in Deutschland seit den 70ern so einiges getan hat. Aber das wollen viele Feministinnen ja nicht gelten lassen. Die Kanzlerin ist ihnen suspekt, weil: Die Merkel ist ja selbst keine Feministin. Die ist doch Teil des Systems, die regiert ja wie ein Mann. Soso, tut sie das. Mag ja sein – aber das tut sie seit Jahren und sehr erfolgreich. Und wie wir gerade eben erfahren durften, wurde sie hauptsächlich von Frauen mit einer Riesenmehrheit im Amt bestätigt. Warum tun die Frauen das? Warum wählen die so massenhaft eine Frau, die sie regiert wie ein Mann, und deren Politik die Frauen doch angeblich zurück in die 70er bombt? Sind die alle doof? Gehirngewaschen? Oder hat da vielleicht jemand – eine Jemandine – etwas übers Ziel hinaus gepoltert?

Auch wenn es vielleicht mit der Gleichstellung noch längst nicht überall optimal klappt: Was am wenigsten hilft, sind übertriebene, polemische Statements wie dieses. Wir sind doch mindestens auf dem Stand der obergeilen frühen 80er, oder Gisele?

Höhlenmensch als Flirtexperte? Primitive Bunga-Bunga-Baggerstrategie wirkt angeblich!

Pssst!

Eigentlich darf ich Ihnen das ja gar nicht sagen. Nicht weil es peinlich wäre. Aber, pssst! Ich will ja nicht auch einen dieser gefürchteten offenen Briefe von Alice Schwarzer bekommen.

Sie meinen ich sollte es darauf ankommen lassen? Okay.

Also, eine Studie der Kansas University legt nahe, dass Männer, die nur auf der Suche nach Sex sind, sich beim Flirten ruhig auch mal wie Steinzeitmenschen benehmen sollen. Die Forscher konnten zeigen, dass sexhungrige Männer, die beim Ansprechen einer Frau keinen Hehl aus ihren Absichten machten, eher zum Erfolg kamen. Natürlich nur unter der Bedingung, dass die Frauen ebenfalls genau darauf hinaus wollten.

Verstehen Sie das also nicht falsch: Es heißt nicht, dass Sie jetzt Ihr Hemd bis zum Bauchnabel aufknöpfen sollen, um dann zur nächstbesten Frau zu sagen: “Heee, Chica, du und ich, wir beide – Bunga-Bunga!” Das wird so nichts. Sie müssen erst einmal die passende Frau finden, die mit der gleichen sexistischen Grundhaltung über die selbe Party schleicht.

Und da sehen Sie, wie viel Ihnen diese Studie nützt: Gar nix.

Denn dass es irgendwo da draußen die eine oder andere Frau gibt, die gerne unkompliziert und schnell ein bisschen netten Sex haben will, war Ihnen vorher klar. Sie wollten nur endlich wissen, woran Sie diese Frau ERKENNEN, verdammt noch eins.

Jetzt können Sie natürlich versuchen, durch eine Streubombentaktik die Wahrscheinlichkeit zu Ihren Gunsten zu beeinflussen, und einfach Dutzenden Frauen die Bunga-Bunga-Frage stellen, solange, bis Sie die richtige finden.

Mein Tipp: Lassen Sie es bleiben. Sie wollen doch nicht als der peinliche Typ gelten, der alles anmacht, was sich nicht rechtzeitig auf der Toilette einschließt. Zumal sich die Wirkung Ihrer charmanten Direktheit mit einer zunehmenden Anzahl von Gefragten rasch verflüchtigen dürfte. Und: Zu viele Körbe in schneller Folge machen depressiv. Der Neandertaler hatte Ihnen gegenüber in dieser Hinsicht etwas Entscheidendes voraus: Ein wesentlich dickeres Fell.

Männer leben in einer anderen Welt, Frauen auch

Da haben doch tatsächlich zuletzt Wissenschaftler festgestellt, dass Männer und Frauen in verschiedenen Welten leben. Eine Untersuchung des Kommunikationsverhaltens beider Geschlechter zeigte große Unterschiede: Frauen reden über Freunde und Familie, Männer über Fußball. Frauen reden über Gesundheitsthemen und Kinder, Männer über Autos.

Mal ehrlich: Sind wir baff?

Sind das nicht weltsensationelle Top-Neuigkeiten?

Nun ja, hehe, also ein paar Anzeichen dafür waren durchaus schon vorher auszumachen. Getrennte Toiletten, getrennte Umkleiden, getrennter Sport- und neuerdings Mathe-Unterricht, verschiedene Geschmäcker, was Kleidung, Musik, Filme und Abendgestaltung sowie Sex angeht, grundverschiedene Unterwäsche, die Frauenbewegung, jahrzehntelanger Geschlechterkrieg, Alice Schwarzer immer noch im Amt… Da hätte man auch ohne Versuchsreihe drauf kommen können, dass es ein paar relativ unübertünchbare Unterschiede gibt.

Aber alle Zeitungen stürzen sich brav darauf. Was mich an dem Wirbelsturm im Proseccoglas stört: Erst wird das allgemeine Menschenempfinden, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, als unerträglich klischeehaft abgetan – und wenn sich die Klischees dann sogar in einer Studie bestätigen, tun alle ganz überrascht und suchen hektisch nach Gründen, warum denn diese Klischees immer noch in den Köpfen stecken. Anstatt einfach mal lockerzulassen. Das treibt zuweilen kolossale Blüten.

So sagte die Leiterin der Studie sinngemäß, dass Männer sich für viele (Frauen-) Themen nicht interessierten, weil sie ja verstärkt das Internet nutzten und da von vorneherein nur das suchten, was sie interessiert. Frauen konsumierten ja von klein auf viele Printprodukte wie Bücher und Zeitschriften, wo sie auch mit anderen Themen konfrontiert würden. Dazu ein paar Fragen:

- Welche Frau sucht im Internet nach Dingen, die sie nicht akut interessieren? Anders gefragt: Welche Frau recherchiert nicht online, wo sie diese geilen Jeans für zehn Euro weniger bekommt?

- Inwieweit bieten die Printprodukte, die Frauen ja so bevorzugt lesen (Gala, Glamour & Co.) ihnen Einblicke in andere Welten – insbesondere in Männerwelten? (Von den letzten Schnappschüssen von Leo DiCaprios Yacht mal abgesehen…) Wenn hier schon schon von mangelnder Bereitschaft die Rede ist, jenseits des Geschlechtervorhangs zu schnuppern, dann doch bitte auf beiden Seiten.

- Inwiefern würde die Welt besser, wenn Männer online nach Frauenjeans recherchierten, die sie in der neuen Gala gesehen haben – mal abgesehen davon, dass die Jungs die Dinger wahrscheinlich sogar für 50 Euro weniger auftreiben würden…?

Dieses Thema macht mich so müde, so müde. Na, sei’s drum. Ich sage: Anstatt die Unterschiede permanent zu leugnen, und dann und wann die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen, wenn wir feststellen müssen, dass es sie doch gibt, sollten wir sie zu schätzen lernen und das Beste daraus machen. Zum Beispiel eine richtig geile Männerzeitschrift…