Loben Sie mal Ihre Kolleginnen. Jetzt sofort und/oder später, ist egal. Am besten ist sowieso: Dauernd loben. Wofür ist nicht egal: Immer für ihre Arbeit – und nie, nie, nie für ihren Rock oder ihre enge Jeans oder ihre tief ausgeschnittene Bluse. Und wenn Sie mal im Urlaub sind oder auf Geschäftsreise, dann nehmen Sie einfach ein paar Lobe (oder heißt das jetzt Lobs?) auf Band auf oder legen Sie als MP3-Datei auf ihrem PC ab, damit sie sich Ihres Lobs auch in Ihrer Abwesenheit sicher sein kann.
Warum das ganze Frauenlob im Männerjob? Nun, eine Studie der University of Massachusetts hat gezeigt, dass Frauen, die zusammen mit Männern in einem von Männern dominierten Tätigkeitsbereich arbeiten, per se dazu neigen, ihre eigenen Leistungen als negativ oder weniger wichtig darzustellen. Die Frauen gehen offenbar davon aus, dass sie in dieser Konkurrenzsituation eh nicht gegen die Männer ankommen und stellen ihr Licht darum in Selbstbeurteilungen von vornherein unter den Scheffel. Frei nach dem Motto: “Ich habe ja schon selbst gesagt, dass ich nix kann, also hackt nicht auch noch auf mir ‘rum!” Nur wenn diese Frauen im Nachhinein explizit, exklusiv und persönlich für ihre Arbeit gelobt wurden, stieg das Level ihrer Selbstwertschätzung an. Also, wenn Sie etwas für das Vorankommen Ihrer wertgeschätzten Kollegin tun wollen: Loben Sie!
Wobei… Stopp!
Das ist jetzt wieder so eine Gender-Falle. Nehmen wir an, Sie loben Ihre Kollegin. Nehmen wir an, Sie loben sie wirklich bei jeder Gelegenheit – also immer, wenn sie etwas gut gemacht hat. Das muss schon etwas Qualifiziertes sein, nicht bloß den Kopierer bedienen oder das Fenster auf Kipp stellen, das dürfen Sie auf keinen Fall loben, das wäre diskriminierend und noch schlimmer als Kurze-Röcke-Loben! Nein, wir nehmen an, Sie loben sie für ein paar Dinge, die sie richtig gut hingekriegt hat, auch für kleine Teilerfolge. Ganz ehrlich, ganz freundlich. Ohne Hintergedanken. Dann fragt sie, durchaus freundlich, aber auch misstrauisch: “Sag mal, warum lobst du mich eigentlich die ganze Zeit?” Und Sie erzählen ihr von diesem Artikel und von der Studie, und sie fasst das in der Frage zusammen: “Du lobst mich also die ganze Zeit, weil ich eine FRAU bin?” Sie können nicht umhin, das irgendwie zu bejahen. Und sie schreit: “Das ist ja wohl die übelste, perfideste Form der Diskriminierung, die ich je erlebt habe!” Und dann geht es ab zum Chef oder noch schöner zur Chefin, und dann zur Frauenbeauftragten des Betriebsrates und – heidewitzka!
Hach, ja. Herrlich, dieses Gender-Paradoxon. Wie Sie aus der Nummer wieder rauskommen? Keine Ahnung. Ich bin hier nur der Depp, der die Studien vorliest. Aber hübsche Bluse haben Sie da an.
Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Textchef von Men's Health, über Männer-